Genetische Grundlagen der Zucht

Die Behaarung der Rauhhaarteckel

Die ideale Behaarung der Rauhaarteckel wird gebildet aus hartem, kräftigem Gannenhaar und weicher dichter Unterwolle, die gemeinsam ein relativ kurzes und sich rau anfühlendes Haarkleid ergeben, das auch an den Pfoten harsch ist. Die Unterwolldichte ist wichtig um den Körper zu isolieren, sowohl gegen Wärme wie auch gegen Kälte, das Grannenhaar gibt dem Fell Struktur und sorgt beispielsweise dafür, dass das Regenwasser abperlt und der Hund sich relativ lange im Regen aufhalten kann, ohne, dass die Haut nass wird. Das Haupthaar ist kurz und glatt, am Fang zeigt der Hund ausgeprägte Bartbildung, oberhalb der Augen ausgeprägte Brauen.

Hunde die diese ideale Behaarung phänotypisch zeigen sind jedoch spalterbig, wie eine Verpaarung zweier ideal behaarter Hunde zeigt.

Solche Hunde mit etwas mehr Haar und mit einem leichten Haarschopf sind für die Zucht besonders wertvoll, denn sie sind reinerbig rauhaarig und vererben keine Kurzhaar ohne Bart. Das gilt in besonderem Maße, wenn sie so hervorragend pigmentiert sind, w

Aus einer solchen Verpaarung sind – wenn man eine sehr große Zahl von Nachzuchten zu Grunde legt - nur rund 50 Prozent ideal behaarte Nachzuchten zu erwarten. Rund 25 Prozent der Welpen sind knapp behaart (kurzhaarig mit wenig oder ohne Bart), die restlichen 25 Prozent sind reinerbige Rauhaar, relativ lang behaart, mit Stirnschopf, lang und wellig behaarten Behängen und weicher Pfotenbehaarung. Die Körperbehaarung neigt bei diesen Typen, wenn sie sehr weich ist, zur Filzbildung.

 

Diese Aufspaltung ist übrigens bei allen rauhaarigen Hunden zu beobachten, nicht nur bei Teckeln, bei Teckeln beruht sie auf der Einkreuzung verschiedener anderer rauhaariger Rassen, überwiegend Terrier, aber auch Schnauzer, die Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts vorgenommen wurde, um den Teckeln ein robusteres Haarkleid anzuzüchten. Welche Rassen genau bei der Entstehung der Rauhaarteckel und mit welchen Blutanteilen Pate gestanden haben, lässt sich nicht mehr bis ins Detail nachvollziehen, jedoch weiß man, dass beispielsweise auch die extrem seidenhaarigen Dandie Dinmond-Terrier mit dem ausgeprägten weichen Haarschopf mit von der Partie waren. Aber auch bei den vermutlich ebenfalls beteiligten Jagd- und Foxterriern gibt es weichhaarige Typen mit Haarschopf, harsch behaarte mit gutem Bart, aber auch glatthaarige mit wenig oder ohne Bart.

 

Züchterisch bedeutet das, dass die Verpaarung eines relativ knappbehaarten Teckels mit Bart mit einem länger behaarten, wuscheligen mit Stirnschopf letztlich bessere Nachzucht erwarten lässt, als die Verpaarung zweier ideal behaarter Rauhhaarhunde, weil bei erster Paarung keine Kurzhaarigen ohne Bart fallen, im Gegensatz zur Paarung zweier gut behaarter Eltern, bei der man vor Kurzhaar ohne Bart nie ganz sicher sein kann.

 

Im Gegensatz zu knapp und gut behaarten Rauhhaar haaren die wuscheligen, reinerbigen Rauhhaar nahezu nicht. Sie bedürfen einer besonderen Fellpflege, sollten ein- bis zweimal im Jahr getrimmt werden. (Ein Abscheren ist nicht ratsam, weil das Haar dadurch immer pigmentärmer und dünner (weicher) wird.

 

Leider besteht in der Zucht nach wie vor der Trend zu knapp behaarten Hunden, so dass auch die Gefahr zu immer mehr Kurzhaar ohne Bartbildung latent bleibt. Für die Zucht ist empfehlenswert, auch etwas länger behaarten Hunden mit leichtem Stirnschopf einen Zuchtwert zu geben, der sie für die Zucht zulässt, allerdings sollten an solche Hunde sehr hohe Anforderungen bezüglich des Körperbaues gestellt werden.

 

 

Die Farbenvererbung der Rauhharteckel

Obwohl man die Farben Braunrot (links) und braunsaufarben gut unterscheiden kann tun sich einige Teckelleute schwer damit, auch solche, bei denen man nicht damit gerechnet hätte, dass sie so schwach sind. Eigentlich wäre es sinnvoll, die Welpen sofort m

 

Die einzelnen Farben werden - vielleicht auch, weil sie für den Nutz- oder „Liebhaberwert" des Dackels ziemlich unwichtig sind - bei den Dackeln wesentlich weniger eindeutig im Standard beschrieben als bei anderen Tierrassen, bei denen die Farbreinheit häufig im Mittelpunkt alles züchterischen Mühens steht.

Selbst bei vielen Dackelzüchtern konnte ich mich davon überzeugen, das hinsichtlich der Genetik der Farbe hier nur wenig fundierte Kenntnisse herrschen. Das ist verwunderlich, weil auch bei den Dackeln die verschiedenen Farbarten von normalen mendelnden Genen in einfachen Erbgängen weitergegeben werden.

Im folgenden werde ich daher die verbreitetsten Dackelfarben ein wenig unter diesem genetischen Gesichtspunkt vorstellen und beleuchten.

 

Einfarbige Dackel (rot)

Einfarbige Dackel sind zugelassen in Rot, Rotgelb oder Gelb, mit oder ohne schwarzem Stichhaar. Genetisch gesehen handelt es sich bei Rot und Gelb um die gleiche Farbe. Bei Teckeln ist die Farbe rot mit Brand. Rote Hunde ohne Brand haben eine rußige Gesichtsmaske, rußige Behänge und eine teilweise rußige Rute (siehe Hannoverscher Schweißhund). Der Unterschied besteht lediglich in der Dichte der Einlagerung der Phäomelanine (Pigmente) im Haar, die diese Färbung bewirken. Der Grad der Einlagerung wird durch andere Gene bewirkt, sogenannte Modifikationsgene, die bei anderen Tierarten dominant sind. Weil sie zu einer Intensivierung der Farbwiedergabe führen, werden sie als Gelbverstärker bezeichnet. Je mehr davon sich im Genpool eines Tieres anhäufen, desto intensiver wird der Rotton in seinem Fellhaar. Ebenfalls Modifikationsgene, wenn auch andere, sind für den Grad der schwarzen Stichelung verantwortlich.

 

Rote Dachshunde haben schwarzbraune Augen, einen schwarzen Nasenschwamm und schwarze Krallen. Rote Dackel sind Gelben gegenüber vorzuziehen und welche mit wenig Stichhaar solchen mit mehr. Tragen gelbe oder rote Teckel gleichzeitig das Braungen in sich (dazu weiter unten), so kann der Nasenschwamm braun bis fleischfarben sein und die Augen bernsteinfarben. Beides ist unerwünscht.

 

Rot/Gelb ist - mit Ausnahme der unvollständig dominanten Tigerscheckung - gegenüber allen anderen Farbengenen bei den Dackeln dominant.

 

Bei den Langhaardackeln und den Kurzhaardackeln dominieren die roten Formen. Bei den Rauhhaardackeln hingegen sind sie relativ selten. Hier sollten sie immer die Farbbezeichnung rot und tragen und nie die Bezeichnung "dürrlaubfarbig", da diese irreführend ist, weil sie teilweise auch für Braune (hellbraunsaufarbene) benutzt wird.

 

Wegen der oben beschriebenen Gefahr heller Augen und Nasenschwämme bei roten Dackeln (das ist die Farbe der Magyar Vizla, die bei Dackeln unerwünscht ist) sollten diese nie mit braunen oder schokoladenfarbenen verpaart werden.

(Vielleicht sollte man diese Verpaarung untersagen)

 

 

Zweifarbige Dackel

Zweifarbige Dackel zeichnen sich dadurch aus, das sie eine dunkle Grundfarbe haben und rote, beige oder gelbe Abzeichen (Brand) besitzen.

Dieser Brand, für den genetisch exakt dasselbe gilt wie oben für die einfarbig roten oder gelben Dackel beschrieben, wird gebildet aus Flecken über den Augen, der seitlichen Begrenzung über die Lefzen und den Unterkiefer bis in eine breiten Einfassung der Kehle. Der innere Behangrand ist ebenfalls in der Farbe des Brandes eingefasst. Zwei Flecken auf der Vorbrust, sowie die Vorderläufe bis etwa zum Handwurzelgelenk, die Hinterläufe bis etwa zum Sprunggelenk, die Innenseiten der Läufe sowie die Region um den Anus und auf der Unterseite der Rute (von einem Drittel bis zur Hälfte) werden ebenfalls vom Brand (Rotfärbung) erfasst.. Je leuchtender und kräftiger )orange bis rostbraunrot der Brand ist, um so schöner ist auch das Farbspiel am gesamten Hund.

 

Je nach der Grundfarbe, in die der Brand eingebettet ist, unterscheiden wir die Farben Saufarben, Braun (braunsaufarben), Schwarzrot und Braunrot (Schokoladenfarbig):

 

Saufarben und Braun(saufarben):

 

Bei saufarbigen und braunen Dackeln - Farbvarietäten, die es überwiegend bei Rauhhaardackeln gibt - ist die Grundfarbe meliert: Bei den Saufarbigen, ausgehend von einem dunklen Aalstrich über den Rücken die Behaarung am übrigen Körper gebildet aus schwarz- und grauschwarz gespitzten und aus gelb- bzw. rotgelb gespitzten Grannenhaaren, die zwischen einander stehen. Außerdem leuchtet teilweise auch noch die gelbe bis gelbrote Unterwolle durch.

 

Überwiegen dabei insgesamt die gelben Farbtöne am Hund, sprechen wir von der Farbe Hellsaufarben. Überwiegen die schwarzgespitzten Grannen, so sprechen wir von dunkelsaufarben. Genetisch gesehen ist Hellsaufarben dominant gegenüber Dunkelsaufarben, Saufarben aber rezessiv gegenüber Gelb/Rot. Saufarbene Dackel besitzen dunkelrotbraune bis schwarzbraune Augen und schwarze Krallen. Außerdem haben sie einen schwarzen Nasenschwamm.

 

Die Qualität der Farbe hängt hier besonders von der Intensität der Pigmentierung ab. Bei saufarbigen Hunden ist die Abgrenzung des Brandes zwar nicht so scharf, jedoch sollte auch hier ein intensiver Brand gefordert werden.

 

Die braunen Dackel unterscheiden sich von den saufarbenen durch ein rezessives Braungen, das die Verdünnung der Pigmente in den Fellhaaren von Schwarz nach Schokoladenbraun bewirkt. Auch sie zeigen wie die Saufarbenen die typische Melierung der Grundfarbe mit helleren, gelb oder rot gefärbten Haaren oder Haarzonen. Bei braunen Dackeln (braunsaufarben) sind die Pigmente insgesamt verdünnt. Sie zeigen einen schokoladenfarbenen Nasenschwamm und dunkelbernsteinfarbene Augen. Die Krallen sind schwarzbraun bis dunkelbraun.

 

(Die Farbbezeichnung dürrlaubfarben wird teilweise auch für Hell-Braunsaufarbene benutzt. Das ist jedoch verwirrend, weil diese Bezeichnung teilweise auch für Rote gebraucht wird. Diese Farbbezeichnung sollte daher überhaupt nicht mehr gebraucht werden.)

 

 

Schwarzrot und Schokoladenfarbe:

 

Bei schwarzroten und schokoladenfarbenen Dackeln ist die Grundfarbe nicht meliert, sondern einfarbig glänzend lackschwarz oder glänzend schokoladenbraun. Für die Farbe der Augen und der Nägel gilt das bereits oben für die saufarbigen und die braunsaufarbenen Gesagte. Schwarzrot ist rezessiv gegenüber Saufarbig, Schokoladenfarbig gegenüber Braun. Bei den Schwarzroten und den Braunroten ist ein intensiver, sauber abgegrenzter Brand zu fordern. Stehen viele dunkel pigmentierte Haare im Brand, entsteht ein unerwünschter „verrußter“ Brand.

 

Seltene Farbvarietäten (Tiger und Gestromte)

 

Zu den seltenen Farbvarietäten gehören die Tigerteckel. Diese haben wie die Schecken vieler anderer Tierarten auch das Problem, das mit dem unvollständig dominanten Scheckungsfaktor letales Gen gekoppelt ist. Bei den Dackeln ist dieses der Merlefaktor, der in reinerbiger Form zu angeborener Taubheit und Blindheit führen kann. Daher verbietet der DTK in seinen Zuchtbestimmungen auch die Verpaarung zweier Tigerteckel untereinander. Die Tigerscheckung besteht aus farbigen und weißlich-melierten bis weißen Abzeichen, die, ohne dass eine Farbe vorherrscht, relativ gleichmäßig vorhanden und übers Tier verteilt sind.

Die Farbe der Gestromten ist Gelb oder Rot mit dunkler Stromung. Die Farbe der Augen, Nägel und des Nasenschwammes fällt wie bei den entsprechenden ein- oder zweifarbigen Tieren aus. Bei Tigerteckeln werden Glas-, Perl- oder Fischaugen toleriert, auch wenn sie nicht erwünscht sind. Außerdem sind alle oben nicht erwähnten Farben zugelassen, mit Ausnahme von Schwarz ohne Brand und von Weiß mit oder ohne Brand.

Bei farbigen Dackeln sind weiße Flecken unerwünscht, werden jedoch toleriert. Hin und wieder deuten weiße Flecken auf der Brust, sogenannte Brackensterne, darauf hin, das unsere Dackel auch einen gehörigen Teil Brackenblut führen.

 

 

 

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Anmerkungen zur Genetik der Farben:

 

Pigmente:

 

Bei Tieren und auch Menschen gibt es nur zwei Pigmente, die für die Ausprägung der Haarfarbe verantwortlich sind: Eumelanine, das sind stäbchenförmige Pigmentkörper, die für die dunklen Farben (schwarz, braun, blau(blaue Dogge) und lila (engl. lilac - z.B. Weimaraner) verantwortlich sind und Phäomelanine, das sind runde, kugelförmige Pigmentkörper, die für die gelben und orangenen Haarfarben verantwortlich sind.

 

Bei den dunklen Farben ist vielleicht noch zu erwähnen, dass die braunenen und die blauen Farben nicht etwa durch die braune oder blaue Eumelaninine entstehen, sondern durch die exakt die gleichen Pigmente, wie die schwarzen Farbtöne. Was differiert ist lediglich die Dichte der Einlagerung der Pigmente. Deshalb spricht man beim Braun- und beim Blaugen auch von Farbverdünnergenen. Der Braune und der blaue Farbton entstehen durch verschiedene Verdünnergene. Während das Braungen die Eumelanine verdünnt, werden gleichzeitig die Phäomelanine verstärkt, verdünnt das Blaugen sowohl die Eumelanine wie auch die Phäomelanine. Bei der Verdünnung nach Blau kommt hinzu, dass der Transport der Pigmentkörnchen von der pigmentbildenden Zelle ins wachsende Haar gestört ist. Deshalb kommt es zu Verklumpungen und unregelmäßiger, fleckiger Verteilung des Pigmentes im Haar, was den "verdünnten" Farbeindruck bewirkt. Die braune und die blaue Farbe empfinden wir, weil bei beiden Arten der Verdünnung das einfallende Haar in anderem Winkel und in anderer Wellenlänge reflektiert wird. Die Lila-Färbung der Weimaraner ist eine Kombination von Blau- und Braun-Verdünnergen.

 

Farbverteilung:

Ein weiterer Faktor der Farbe ist der Farbverteilungsfaktor: Der Wildfarbigkeits- oder Agoutifaktor bewirkt eine zonenmäßige Trennung der Pigmentierung innerhalb des Haares: Wer das Haar eines saufarbigen Teckels scheitelt wird feststellen, dass der untere Teil des Haarschafts gelb bis orange, also mit Phäomelaninen pigmentiert ist, die Spitzen der Haare sind dunkel ( mit Eumelaninen pigmentiert) und hell (wenig pigmentiert oder mit Phäomelaninen).

 

Bei den Schwarzroten und Braunroten hingegen entfällt die zonenmäßige Farbverteilung des Haares, die Haare sind entweder durchgehend schwarz oder durchgehend schokoladenbraun. Deshalb treten die Abzeichen (Augenflecken, Kinnbacken- und Kehleinfassung, Brustflecken, Afterspiegel und die roten Füße = Brand) bei ihnen auch klarer abgegrenzt zum Vorschein, als bei den Saufarbigen, die natürlich auch einen Brand zeigen.

 

Die Wirkung dieser Grundgene wird durch unspezifische, parallel wirkende, oder sich teilweise gegenseitig aufhebende Gene, sogenannte Modifikationsgene weiter differenziert. Die Modifikationsgene sind weitestgehend unerforscht, sie sind das Salz in der Suppe der Tierzucht und immer wieder Ursache für Überraschungen.

 

Dominanz und Rezessivität:

  1. Tigerscheckung (zugelassener spalterbiger Tiger) ist unvollständig dominant über voll pigmentiert: Aus der Paarung Tiger x vollpigmentiert fallen rund 50 % Tiger, rund 50 % vollpigmentierte.

  2. Rot und gelb sind über alle anderen Farben dominant.

  3. Saufarben ist nur gegenüber rot und gelb rezessiv, sonst gegenüber allen anderen Farben dominant. (innerhalb der Saufarbe ist Hellsaufarben dominant gegenüber saufarben, saufarben gegenüber dunkelsaufarben).

  4. Braunsaufarben ist nur dominant gegenüber braunrot.

  5. Schwarzrot ist nur dominant gegenüber braunrot.

  6. Braunrot ist die einzige Farbe, die immer rezessiv und daher immer reinerbig ist.

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